Montag, 20. November 2017

HuK-Pressemitteilung

Im Ton vergriffen

Evangelikale streiten über Homosexualität


Wie die großen Kirchen streiten auch Evangelikale darüber, ob lesbische und
schwule Paare gesegnet werden und ob Homosexuelle kirchliche Ämter übernehmen
dürfen. Pfarrer Ulrich Parzany, Organisator medienwirksamer
Evangelisationsveranstaltungen, hat ein Memorandum Wenn die Bibel Gottes Wort
ist...
vorgelegt. Er will die falsche Lehre verwerfen, homosexuelle
Beziehungen entsprächen dem Willen Gottes und dürften von den Kirchen gesegnet
werden.


Dazu erklären Thorsten Maruschke und Markus Gutfleisch von der Ökumenischen
Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK):

Evangelische Lehre und evangelische Freiheit lassen es zu, in ethischen Fragen
unterschiedlicher Meinung zu sein und zu streiten. Wir von der Ökumenischen
Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche sind empört, wenn Parzany seine Ablehnung
von homosexuellen Beziehungen sprachlich unverkennbar an die Barmer Theologische
Erklärung anlehnt, mit der sich die Bekennende Kirche 1934 gegen die
Gleichschaltung der Kirche im Sinne der Nazi-Barbarei wehrte. Parzany will
offenbar sich und sein Bekenntnis-Netzwerk als aufrechte Christ_innen
stilisieren, die wie damals die Bekennende Kirche mutig und allein der falschen
Lehre entgegentreten. Er erweckt den Eindruck, dass die Anerkennung
homosexueller Partnerschaften den Fortbestand der Kirche aufs schwerste
gefährdet.

Christliche Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Menschen möchten zu einer
Kirche gehören, die sich aus Über-zeugung dafür entscheidet,
gleichgeschlechtliche Paare genauso zu behandeln wie heterosexuelle. Dieses
kirchliche Vorgehen allein entspricht der Liebe Gottes und stärkt die
Glaubwürdigkeit der Kirche. Wir sind überzeugt, dass das Wort Gottes nicht zur
Liebe Gottes in Widerspruch steht.

Ulrich Parzany und seine Mitstreiter_innen sind keine neue Bekennende Kirche.
Er, der Menschen zu Gott führen will, hat sich gewaltig im Ton vergriffen. Er
spaltet die Kirche in Rechtgläubige und Andere. Sein Memorandum ist für
Protestant_innen eine Zumutung. Unverhohlener kann man die Diskussion kaum
verweigern. Wer sich Parzany anschließt, stellt sich für eine ethische
Diskussion auf der Höhe der Zeit ins Abseits.

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Kontakt:
Thorsten Maruschke, AG Evangelische Kirchenpolitik 0170 467 86 95,
thorsten.maruschke@posteo.de

Markus Gutfleisch, Pressekontakt Tel. 0151 112 63 998, presse@huk.org
Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche www.huk.org