IKvu übt scharfe Kritik am Dialogverständnis der Bischofskonferenz
02.03.2011 Frankfurt am Main
"Dialoginitiative" ohne Konsultationsprozess ist sinnlos. Gemeinden werden übergangen.
Der im November 2010 großartig angekündigte "Dialogprozess in der katholischen Kirche", mit dem die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) auf die Krise wegen der sogenannten "Missbrauchsfälle" reagieren wollten, scheint sich als Mogelpackung zu entpuppen.
Nach dem Krisenjahr 2010 steht ein transparenter Diskussionsprozess auf allen kirchlichen Ebenen auf der Agenda - ohne Denkverbote und mit dem Ziel einer tiefgreifenden Reform. Doch stattdessen zeichnet sich ein "Dialog hinter verschlossenen Türen" ab, für den zudem nach und nach brisante Themen als nicht diskussionswürdig ausgeschlossen werden:
Unter höchster Geheimhaltung wurden die Kommissionen, die als Kooperation von DBK und ZdK den Dialog "von oben" führen sollen, schon vor Wochen personell besetzt. Wie ist dieser "Dialog" also legitimiert? Warum wird über die Besetzung der Kommissionen nicht informiert? Wer kann sich überhaupt noch daran beteiligen und wie? Ist eine Quotierung von Frauen und Männern, Jugendlichen und Älteren sowie nicht zuletzt von Klerikern und sogenannten "Laien" gewährleistet? Sieht so also der "Dialog" aus, der diese Kirche reformieren soll?
"Die Ankündigung eines Dialogs ließ viele Menschen darauf hoffen, die öffentliche Diskussion im letzten Jahr hätte doch etwas bewirkt", so Prof. Hermann Häring (Tübingen). "Doch die abfällige Art, wie jetzt ständig Reformvorschläge, die ja seit vielen Jahren auf dem Tisch liegen, als "übereilt" und "plakativ" disqualifiziert werden, ist geradezu absurd und zeigt ganz klar: Es hat sich noch längst nicht genug bewegt!"
Die Lösung der seit vielen Jahren aufgestauten Probleme besteht gerade nicht darin, dass die Bischofskonferenz - wie vom Vorsitzenden Erzbischof Zollitsch angekündigt - bei ihrer Vollversammlung Mitte März Vorschläge erarbeitet. Denn längst ist in Gemeinden, Verbänden und Reformgruppen ausdiskutiert, woran es fehlt und wie damit umzugehen ist. Eine reelle Chance für eine Erneuerung bietet nur ein Reformprozess, der ganz bewusst auf die Inhalte des jahrzehntelangen Reformdiskurses und die Erfahrungen in den Pfarrgemeinden zurückgreift.
"Wir brauchen dringend einen breiten Konsultationsprozess in dieser Kirche, der zuerst die Menschen unten in den Gemeinden als Experten einbezieht", betont Prof. Häring. "Das Signal muss lauten: Alle werden beteiligt, wenn die Kirche reformiert werden muss, denn es geht alle an."
Die Liste der Probleme reicht von Amtsmissbrauch bis Zölibat. Doch in zahlreichen Pfarrgemeinden zweifelt man inzwischen mit Recht, ob der Frust des vergangenen Jahres oben wirklich zu mehr Offenheit für echte Reformen geführt hat.
Für eindrucksvolle Bilder soll zu Beginn der DBK-Vollversammlung in Paderborn ein großer "besonders gestalteter Bußakt" sorgen. Angesichts zahlreicher Äußerungen in den letzten Wochen ist schon jetzt zweifelhaft, wie ehrlich dies gemeint ist: Wofür werden die Bischöfe Buße - also "Umkehr"! - tun und woran wird diese Umkehr zu erkennen sein?
Bernd Hans Göhrig
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AG von Priester- und Solidaritäsgruppen
Fon: 0209 - 2 37 36
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