Samstag, 23. September 2017

IKvu fordert Rücktritt des Ökumene-Beauftragten der DBK

Das Ökumenische Netzwerk „Initiative Kirche von unten“ (IKvu) fordert den sofortigen Rücktritt des Regensburger Bischofs Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller als Ökumene-Beauftragter der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

 Frankfurt am Main, 08. Juni 2012

 

In den letzten Wochen und Monaten hatte Müller wiederholt durch Predigten, Interviews und Aufsätze seine antiökumenische Haltung überdeutlich zum Ausdruck gebracht. Nennenswerte Reaktionen auf protestantischer Seite blieben bisher allerdings aus.

 

„Es ist schlicht nicht vorstellbar, wie ein ökumenisches Gespräch mit einem Vertreter der römisch-katholischen Kirche funktionieren soll, der die Ökumene so konsequent und nachdrücklich ablehnt wie Bischof Müller“, so Dr. Uwe-Karsten Plisch, evangelischer Theologe und Mitglied im Leitungsteam der IKvu. „Aber vielleicht sind die fortgesetzten Provokationen Müllers ja nur ein Test, wie viel Pöbeleien sich Protestanten gefallen lassen ohne zu protestieren“, so Plisch weiter. „Mit Blick auf Bischof Müller sollte die gängige Formel von der ‚Eiszeit-Ökumene‘ einfach durch ‚Eiszeit‘ ersetzt werden.“

 

Hintergrund der Ausfälle Müllers ist zum einen der nächste Katholikentag, der 2014 in Regensburg stattfinden soll, und zwar im Müllerschen Sinne als Leistungsschau eines romhörigen, traditionalistischen und linientreuen Katholizismus, zum anderen das evangelische Reformationsjubiläum 2017. Dessen Herannahen macht konservative katholische Kreise offenbar zusehends nervös, wohl wegen der impliziten Botschaft, dass Veränderungen in der Kirche grundsätzlich möglich und durchsetzbar sind.

 

Müller ist auch Mitglied im Kuratorium des traditionalistischen „Forum deutscher Katholiken“, einer Art Gegenentwurf zum Laiengremium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, dem eigentlichen Veranstalter der Katholikentage.

 

Weitere Hintergründe:

 

In einer Vesperpredigt am 29. April 2012 anlässlich des 85. Geburtstages von Papst Benedikt XVI. hatte Müller u.a. ausgeführt:

 

„Das Papsttum mit dem Primat ist konstitutiv für die Kirche, nicht weil Menschen sich das ausgedacht hätten, sondern weil Christus es so gewollt und eingesetzt hat. … Im Hinblick auf vor uns liegende Jubiläen und Gedenktage wäre die Anklage gegen den Papst als „Antichrist“ nicht nur als historischer sondern auch als Irrtum in dem von Gott geoffenbarten Glauben zu bekennen. Denn nicht wie Menschen über den Primat des Papstes denken und urteilen, ist entscheidend, sondern dass Christus, unser Herr Petrus zum universalen Hirten der Kirche eingesetzt hat, dessen Nachfolger im Namen Christi der ganzen Kirche vorstehen und daher zu Recht Stellvertreter Christi heißen und es in Wahrheit auch sind.“

 

Hierzu Dr. Herbert Koch, ev. Superintendent i.R. und Mitglied im Leitungsteam der IKvu: „Diese Ausführungen sind schon allein aus exegetischer Sicht eine reine Erfindung, sie dienen  der Begründung der Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramts und dem absoluten Machtanspruch des Papstes an der Spitze dieses Systems.“

 

Nachdem die katholische Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ in ihrer Dezember-Ausgabe 2011 einen Artikel publiziert hatte, in dem u.a. die Frauenordination theologisch begründet und für die römisch-katholische Kirche eingefordert worden war, wurde die Zeitschrift per ordre aus Rom genötigt, im letzten Heft (Stimmen der Zeit 6/2012) eine Klarstellung im Sinne des römischen Lehramtes abzudrucken. Diese „Klarstellung“ wurde „dankenswerterweise“ von Gerhard Ludwig Müller übernommen: Er vollzieht hier zugleich scharfe Abgrenzungen gegenüber jeder protestantischen Denkweise und fasst den Protestantismus unter der Bezeichnung „die aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften“ zusammen. Mit dieser Formulierung, die jeden Anklang an „Kirche“ vermeidet, unterbietet er noch den Begriff „Kirchliche Gemeinschaften“ in der Erklärung „Dominus Iesus“ der römischen Glaubenskongregation aus dem Jahr 2000. Der offizielle römisch-katholische Sprachgebrauch, von den Kirchen der Reformation als „kirchliche Gemeinschaften“ zu reden, spricht ihnen das Kirche-Sein im Vollsinne ebenfalls ab.

 

Bereits im April 2011 hatte Müller in einem Interview mit dapd zum Generalangriff auf die Ökumene geblasen. Darin beantwortet Müller praktisch jede Frage nach dem (Zu-) Stand der Ökumene mit einer Abgrenzung zum Protestantismus. Im Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 sieht Müller die römisch-katholische Kirche gar in die „Aschenputtelrolle“ gedrängt, weil der Protestantismus positiv besetzte Begriffe wie „Pluralismus, Emanzipation, Selbstbestimmung, Gewissen“ für sich reklamiere.

„Wollte er die Begriffe - und Inhalte! - Pluralismus, Emanzipation, Selbstbestimmung, Gewissen allerdings für den römischen Katholizismus reklamieren, könnte man ihn darin nur ermuntern“, so Uwe-Karsten Plisch.

 

Höhepunkt der Entgleisungen des römisch-katholischen Bischofs war sein jüngstes dpa-Interview im Mai 2012, in dem er katholische und ökumenische Reformgruppen als „parasitäre Existenzweisen“ verunglimpfte, die alleine nichts zustande brächten. Der Sprachgebrauch, der der Redeweise der NS-Zeit gefährlich nahe kommt, wird möglicherweise auch strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. 

 

 

Kontakt zur IKvu

Dr. Uwe-Karsten Plisch, Berlin

Mobil: 0176 - 502 69 099

E-Mail: forum1@bundes-esg.de  

 

Dr. Herbert Koch, Garbsen

Telefon: 05131 - 44 34 09

E-Mail: herbert.a.koch@htp-tel.de

 

 

 

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 33 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.

 

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