Initiative Christliche Linke (ICL)
Anfang 1990 riefen 30 Intellektuelle, überwiegend evangelischer Herkunft, zur Gründung einer Initiative Christliche Linke auf. Sie strebten einen Zusammenschluss von jenen an, die mit den "Idealen des Christentums auf der einen Seite, denen des Marxismus auf der anderen Seite" Ernst machen wollten.
Es entstanden Basisgruppen in Berlin, Dresden, Leipzig und Potsdam sowie die Zeitschrift "Dritter Weg - Journal für eine solidarische Welt", herausgegeben vom Initiator des Gründungsaufrufes der ICL, Klaus Körner. Die annähernd 100 Mitglieder und Sympathisanten kommen in Basisgruppen und zu Jahresversammlungen zusammen.
Sie waren und sind in mehreren Projekten und Bewegungen kapitalismuskritischer Richtung aktiv. Sie unterstützten Kirchenasyle und das Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur, unterschrieben Eingaben und Proteste u.a. gegen Waffenhandel, gegen Kampfeinsätze der Bundeswehr und setzten sich für ein Schuldenerlassjahr 1998 ein.
Die ICL war 1995 Mitgestalterin eines Seminars in Reinhardsbrunn ("Gesellschaftsanalyse und Befreiungstheologie für Europa"), sie präsentierte sich in den letzten Jahren bei Kirchentagen mit einem eigenen Stand.
1995 verabschiedete die ICL ihr Orientierungspapier. Darin wird u.a. die demokratische Kontrolle wirtschaftlicher Macht gefordert. Es spiegelt auch die Einsicht wider, dass der jetzige Lebensstandard der reichen Länder die Erdressourcen überfordert, "Zum Widerstand herausgefordert sind wir gegen das real existierende kapitalistische Weltsystem, eine Form der strukturellen Sünde, die einige wenige immer reicher macht", heißt es in dem Text, der als Programm der ICL gilt. Als wichtigstes biblisches Leitwort gilt Lukas 16.13: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon." Die ICL gehört dem Netzwerk "Initiative Kirche von unten" an und arbeitet im konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung mit.
Ihr inhaltliches und organisatorisches Selbstverständnis lässt sich in folgenden Punkten zusammenfassen:
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Sie versteht sich als eine Basisbewegung unabhängiger vernetzter Gruppen, die sich einen Sprecherrat als zentrales Leitungsorgan wählen.
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Sie versteht sich als Dialoggemeinschaft zur Entwicklung des Gesprächs zwischen theologischen und marxistischen Ansätzen.
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Sie versteht sich als Solidargemeinschaft zur Stützung und Kommunikation der MitgliederInnen.
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Sie versteht sich als Hoffnungsgemeinschaft auf der Suche und im Benennen von Ideen und Ansätzen gegen den Sinn- und Identitätsverlust der neuen BRD und gegen die Ideologie des marktwirtschaftlichen Neoliberalismus als "Heilslehre".
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Sie versteht sich als Aktionsgemeinschaft zur Entwicklung eigener Netzwerkstrukturen und Aktivitäten sowie zur Mitarbeit bei Aktionen anderer ähnlich arbeitender Gruppen und Organisationen.
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Sie sieht den Ausgangspunkt ihrer Arbeit in der theologischen Kapitalismuskritik und in der Integration der so genannten 3. Weltproblematik in die Diskussionen, Positionen und Entscheidungen in der BRD.
Die Initiative Christliche Linke ist zunächst eine Gruppierung in den neuen Bundesländern. Sie hat in den letzten Jahren mit dem in Westdeutschland arbeitenden Bund der religiösen Sozialistinnen und Sozialisten Deutschlands (BRSD) bei einzelnen Aktionen kooperiert. Wie andere Gruppen ist sie auf die Mitarbeit der Einzelnen, die Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen und auf Spenden angewiesen. Seit November 1991 ist sie Mitglied des ökumenischen Netzwerkes Initiative Kirche von unten (IKvu).
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