Samstag, 23. September 2017

HuK Pressemitteilung

Wandel auf katholisch

Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) zu Papstschreiben über Liebe und Familie

08.04.2016


Vordergründig enthält das nachsynodale Schreiben ?Amoris Laetitia? von Papst
Franziskus nichts Neues. ?Dennoch hat Franziskus die Weichen dafür gestellt,
dass die Kirche in Zukunft weniger zentralistisch und moralistisch auftreten
wird?, sagt Michael Brinkschröder vom Projekt ?Gleichberechtigung von LSBT in
der katholischen Kirche? der Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche. Der Papst
fordert eine neue kirchliche Seelsorge, die der Logik der Barmherzigkeit folgt
statt den Menschen Kirchengesetze überzustülpen, die für ihre Lebenssituation
nicht passen. Diese Logik ist das Herzstück von Amoris Laetitia und muss
weitreichende Folgen für das Handeln der Kirche haben.
 
Das neu bestimmte Verhältnis zwischen der pastoralen Sensibilität und den
moralischen Normen der Kirche muss auch beim Umgang mit Schwulen und Lesben
berücksichtigt werden. Papst Franziskus fordert die Diözesen dazu auf,
Homosexuelle und ihre Familien respektvoll zu begleiten. Nachdrücklich lehnt
der Papst Aggression und Gewalt gegen Schwule und Lesben ab und nimmt damit
Stellung gegen ein weltweites soziales Übel und gegen die Kriminalisierung von
Homosexuellen, die es bis heute in nahezu 80 Ländern gibt.
 
?Natürlich hätten sich katholische Lesben, Schwule, Bisexuelle und
Trans*-Menschen gefreut, wenn der Papst Wertschätzung für ihre Partnerschaften
gezeigt hätte. Für Liebe, Sorge und Zusammenhalt. Doch dafür ist die
katholische Welt noch nicht reif, ? stellt Markus Gutfleisch, Sprecher der
Arbeitsgruppe, fest. Er findet es enttäuschend, dass Franziskus die
Gender-Theorie durch eine dunkle Brille betrachtet.
 
Der Papst gesteht ein, dass die Kirche in der Vergangenheit die Ehe übertrieben
idealisiert hat. Damit schafft er Raum, um jetzt die Vielfalt von Lebens- und
Familienformen realistisch wahrzunehmen. Mittelfristig dürfte das die
kirchliche Haltung zu Regenbogenfamilien öffnen, auf die das Nachsynodale
Schreiben leider nicht eingeht.
 
Michael Brinkschröder, Projektmanager der HuK, sagt zu dem Papier: ?Unmittelbar
ändert sich durch Amoris Laetitia für Schwule und Lesben in der Kirche nichts,
aber langfristig sind viele Türen offen.? Der Papst traut den Bischöfen und
Seelsorgern vor Ort viel zu. Kein Seelsorger darf von oben herab Felsblöcke auf
die Menschen werfen (Amoris Laetitia Nr. 305) ? ab sofort auch nicht auf Lesben,
Schwule, Bisexuelle und Trans*-Menschen. Begleitung für Homosexuelle, das geht
nur mit Liebe.
 

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Kontakt:
Markus Gutfleisch, Pressekontakt Tel. 0151 112 63 998, presse@huk.org
Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche www.huk.org