Samstag, 23. September 2017

Lothar-Kreyssig-Friedenspreis 2017 für den Publizisten Dr. Theo Mechtenberg

Am 11. November 2017 wird in Magdeburg der Lothar-Kreyssig-Friedenspreis zum zehnten Mal verliehen. Er geht an den katholischen Theologen, Publizisten und Übersetzer Dr. Theo Mechtenberg aus Bad Oeynhausen. Mechtenberg erhält den Preis für sein Engagement im Dienst der deutsch-polnischen Verständigung und Versöhnung. Der Lothar-Kreyssig Friedenspreis erinnert an das Wirken des Juristen, charismatischen Ökumenikers und Gründers der Aktion Sühnezeichen, Dr. Lothar Kreyssig (1898 – 1986). Er soll Personen, Gruppe und Organisationen würdigen, die sich um Frieden und Versöhnung in Europa verdient gemacht haben.   

Der 1928 in Essen geborene Preisträger unterhält seit Mitte der 60er Jahre enge Kontakte nach Polen. In der Begründung des Kuratoriums der Stiftung Lothar-Kreyssig Friedenspreis heißt es: „Durch seinen persönlichen Lebensweg und mit seinen profunden Kenntnissen zählt Mechtenberg in Deutschland zu den bedeutenden Vermittlern und Interpreten polnischer Geschichte und Kultur sowie aktueller Ereignisse und Entwicklungen in Gesellschaft und Kirche Polens. Das Kuratorium möchte mit der Preisverleihung an Theo Mechtenberg die Beziehungen zwischen Deutschen und Polen erneut ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken. Im Jahr des 500. Reformationsjubiläums trifft das Kuratorium damit eine Entscheidung ganz im ökumenischen und europäischen Sinn“.

Theo Mechtenberg verkörpert die ökumenisch-europäische Ausrichtung des Lothar-Kreyssig-Friedenspreises in herausragender Weise. Er setzte sich aktiv für die Rezeption des Versöhnungs-Briefwechsels zwischen den polnischen und deutschen Bischöfen von 1965 /1966 ein, der eine Phase intensiver kirchlicher Polen-Kontakte in der DDR einleitete. Als katholischer Priester und Studentenpfarrer in Magdeburg (1965-1971) organisierte er „illegale“  Studenten-Einsätze im ehemaligen KZ Majdanek, im nationalen Blindenzentrum Laski bei Warschau und beim Bau der Kirche in Nowa Huta bei Krakau. Nahezu vergessen ist, dass Mechtenberg ein geschätzter Gesprächspartner in der Aufbauphase der kirchlichen Friedensarbeit im Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR war: von 1969 bis 1972 als Mitglied im „Facharbeitskreis Friedensfragen“ des Kirchenbundes unter Leitung des Magdeburger Propstes Christoph Hinz, ab 1970 auch im Gnadauer Gesprächskreis „Theologische Friedensethik“.

Nach seiner Laisierung ging Mechtenberg 1972 nach Breslau, wo er im Fach Germanistik promovierte und bis 1979 enge Kontakte zu den Klubs der katholischen Intelligenz (KIK) in Breslau und Warschau unterhielt. Er war Mitarbeiter der renommierten unabhängigen Zeitung „Tygodnik Powszechny“ in Krakau.  Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik 1979 arbeitetet er bis 1993 Dozent am Ost-West-Institut „Gesamteuropäisches Studienwerk“ in Vlotho mit den Schwerpunkten DDR und Polen, bis 2016 als Vorsitzender. Mehrere Jahre war er Vorstands-Mitglied die „Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung“. Er ist Mitglied der Anna-Morawska-Gesellschaft für ökumenischen Dialog e.V., die aus den von Günter Särchen (1927- 2004) begründeten Magdeburger „Polenseminaren“ hervorgegangen ist.

Bis heute ist Theo Mechtenberg vor allem als Publizist aktiv. Seine Übersetzungen aus polnischen Medien, seine Hintergrundberichte und Kommentare, so z. B. in „imprimatur. Nachrichten und kritische meinungen aus der katholischen Kirche“, Trier, bieten wichtige Orientierungshilfen zum Verständnis aktueller Themen, die für die künftige Ausrichtung Polens von großer Bedeutung sind: Entwicklungen in der polnischen Gesellschaft im Dauerkonflikt zwischen Tradition und Moderne, einander widerstreitende Tendenzen im polnischen Katholizismus, die aggressive Verbreitung national-konservativer Ideologien und Politikmuster durch die gegenwärtige PiS-Regierung zu Lasten der Einheit der polnischen Gesellschaft oder Herausforderungen an die nationale Gedächtnis-Kultur.

Es ist das Verdienst von Theo Mechtenberg und seiner Publizistik, komplexe und konfliktreiche Prozesse in Geschichte und  Gegenwart Polen mit  großer „interkultureller Empathie“ darzustellen und zu vermitteln. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag für die Versöhnung zwischen Deutschen und Polen, die Lothar Kreyssig so sehr am Herzen lag. Die öffentliche Preisverleihung findet am 11. November 2017 um 11 Uhr in der Johanniskirche zu Magdeburg statt. Herzliche Einladung!

Joachim Garstecki