Mittwoch, 28. Juni 2017

Neujahrsgruß


Liebe Freundinnen und Freunde in den Mitgliedsgruppen,
liebe Einzelmitglieder und Interessierte der IKvu,

Euch allen ein gesegnetes, spannendes und anregendes Jahr 2009!

"Ich trinke ***, weil mein Freund Harry die 10 Mark wiederhaben will, die
ich ihm letzte Woche geborgt habe", so lautete vor mehr als 20 Jahren der
Werbetext für einen der bekanntesten Kräuterliköre Deutschlands. Das war
nicht nur intellektuell überraschend anspruchsvoll, sondern auch
hellsichtig, denn genau so funktioniert Kapitalismus (nicht nur) in Zeiten
der Krise: Gib mir zurück, was du mir anvertraut hast! Wir haben uns im
letzten Querblick ausführlich damit befasst. Ob freilich das allenthalben
stattfindende Einschwören auf harte Zeiten nicht doch nur dem Zweck dient,
im Wahljahr das Krisenmanagement von
Kanzlerin und Co. umso strahlender erscheinen zu lassen, wird sich weisen.
Wir bleiben dran.

Einen  interessanten theologischen Aspekt hat die Finanzkrise schon jetzt:
Die römisch-katholische Kirche besinnt sich zunehmend auf ihre eigene
Soziallehre, während der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in
Deutschland die Ursache der Krise weiterhin in den "Exzessen einzelner"
ausmacht, wobei ihm "das Blut in den Adern gefriert, wenn Menschen sich
gegen den Markt wenden".

Überhaupt scheint es der offiziellen Evangelischen Kirche in Deutschland
gegenwärtig am theoretischen Rüstzeug zu mangeln, um echte Antworten auf die
Fragen der Zeit zu geben. Das sieht man nicht nur an ihrer jüngsten
Kapitalismus-Denkschrift, sondern auch an der perfiden Islam-Denkschrift und
der Friedensdenkschrift von 2007, die das traditionelle Versagen des
institutionellen Protestantismus in der Friedensfrage fortschreibt.

Im Bundesland Berlin beschäftigt uns zurzeit der von beiden großen Kirchen
törichterweise vom Zaun gebrochene Kulturkampf um das Volksbegehren "Pro
Reli", das aller Voraussicht nach auf für die Kirchen peinliche Weise
scheitern wird. Wir haben uns in der Initiative "Christen pro Ethik"
eindeutig positioniert und verweisen zur näheren Information auf das Special
zur Sache auf unserer Homepage.

Diese Homepage hat übrigens unser Webmaster Georg Pelzer auch 2008 sehr gut
betreut und insbesondere unsere Veranstaltungen stets entsprechend mit
Hintergrundinformation begleitet - z.B. beim Katholikentag in Osnabrück.

Im kommenden Jahr wird der Evangelische Kirchentag in Bremen ein wichtiger
Testlauf für den ökumenischen Kirchentag 2010 in München werden. Von der
IKvu wird gewiss erwartet (und von manchen befürchtet), dass sie
insbesondere 2010 Akzente setzt, die an das 2003 in Berlin Erreichte
anknüpfen. Wir werden diese Erwartungen nicht enttäuschen, wollen uns aber
auch nicht wiederholen. Es gilt, zu neuen Ufern aufzubrechen und nicht in
Ritualen zu erstarren.

In diesem Sinne grüßen Euch herzlich für das gesamte Leitungsteam
und freuen sich auf viele Begegnungen mit Ihnen und Euch
- vielleicht bei der Delegiertenversammlung 24. - 26. April in der
Christkönigsgemeinde in Eschborn!,

Uwe-Karsten Plisch und Bernd Hans Göhrig