Mittwoch, 28. Juni 2017

Neujahrsgruß


Liebe Freundinnen und Freunde in den Mitgliedsgruppen,
liebe Einzelmitglieder und Interessierte der IKvu,
 
euch allen ich im Namen des Leitungsteams der IKvu ein gesegnetes, spannendes und anregendes Jahr 2012. Es ist inzwischen schon eine kleine Tradition geworden, Ihnen zum Jahresanfang einen Gruß zu senden - und zur Aufmunterung für all unser Tun möchte ich euch heute zwei Bekundungen aus der Bibel mit auf den Weg geben:
 
„Gott vertrauen heißt: sich verlassen auf das, was man hofft, und fest mit dem rechnen, was man nicht sehen kann . . . Wir wollen durchhalten in dem Lauf, zu dem wir angetreten sind. Dabei wollen wir Jesus nicht aus den Augen lassen. Er ist uns auf dem Weg des Vertrauens vorausgegangen und bringt uns auch ans Ziel . . . Denkt daran, was er ertragen musste . . . Das wird euch helfen, mutig zu bleiben und nicht aufzugeben.“
 
„Überfordert euch nicht bei dem, wofür ihr euch einsetzt, achtet auf eure Grenzen bei dem, was ihr vorhabt. Denn Gott hat jedem und jeder ein bestimmtes Maß an Kraft zugeteilt, Vertrauen zu leben.“
 
Die erste Weisung stammt aus dem Hebräerbrief 11, 1 und 12, 1-3 und 12 (Übersetzung „Gute Nachricht“), aus dem ich ebenso wie aus dem Buch Jesus Sirach gerne Kraft schöpfe, wenn ich mich mal wieder frage: Warum mache ich das eigentlich alles? Warum tue ich mir das an, mich ehrenamtlich so stark zu engagieren, wenn ich doch dabei ständig das Gefühl habe, nicht genügend Kraft und Zeit einzubringen, um „die gute Sache“ stärker voranzubringen, aber mich auch begrenzen muss, weil mein facettenreiches Engagement für die Kirche für mich zwar gewiss die „schönste Nebensache“ ist, aber eben eine Nebensache neben der Hauptsache Familie, Ehe, berufliche Tätigkeit. Die zweite Weisung stammt von Paulus, sie steht im Römerbrief 12,3 (hier zitiert nach der Übersetzung „Bibel in gerechter Sprache“)
 
Ehrenamtliches Engagement in „der Kirche“ in ihren verschiedenen Ausprägungen ist eine dynamische Endlosschleife mit hohem Kontinuitätsbedarf zur Aufrechterhaltung des laufenden „Betriebssystems“, sei es die Ortsgemeinde oder die IKvu, und immer wieder neuen Aktualitätsherausforderungen. Die Erfahrung lehrt, dass solchem Engagement notwendigerweise über kürzere oder auch längere Zeit ein hochverdichtetes Maß an Zumutungen innewohnt. Solchen Verdichtungsphasen müssen verdünnte Zeiten und Räume der Ruhe folgen, worin die Anspannungen eines „überpolitisierten“ Lebens nachlassen, wo Entlastung durch Normalität Anerkennungen finden und der Alltag auch im Gruppen-und Gemeindeleben im Wechsel von Anspannung und Genuss besteht. Diese Balancearbeit gilt auch und besonders für kontinuierliche Gremien-, Organisations- und Beziehungsarbeit und Aktionen, Veranstaltungen, Kampagnen, die von Ehrenamtlichen getragen, geleistet und bewältigt werden wollen/müssen/sollen, damit das „Ehrenamt“ nicht nur als fortgesetzte ständige Überangespanntheit erfahren werden muss.
 
Danken wir dem Papst! Durch ihn können wir uns guten Gewissens darin bestärkt fühlen, unseren Weg offensiv weiterzugehen. Die selbst für die katholische Kirche „gegenreformatorische“ Vision von einer „Entweltlichung“ der Kirche“ wie sie dem Papst vorschwebt, hat uns deutlich gemacht,  wie wichtig – und durchaus in gewisser Weise auch erfolgreich – unser vernetztes ökumenisches Engagement ist. Trotz aller Widrigkeiten bleiben wir weiter „Stachel im Fleisch“ (bzw. „Laus im Pelz“, so Fulbert Steffensky über die IKvu) der Amtskirche(n) und „Sauerteig“ für den ständigen Gärungsprozess einer „Ekklesia semper reformanda“. Diese Maxime  gilt für uns nicht nur für das Überbrücken der theologischen Gräben zwischen Katholisch und Evangelisch, sondern auch für die inneren Demokratieverhältnisse in den beiden verfassten Kirchen. 
 
Nach dem Evangelischen Kirchentag in Dresden, auf dem wir mit der erstmaligen Verleihung des Dorothee-Sölle-Preises für aufrechten Gang an die Hamburger Flüchtlingspastorin Fanny Dethloff hohe Aufmerksamkeit gefunden haben, wird in diesem Jahr der Katholikentag in Mannheim für uns eine besondere Herausforderung sein. Dass wir uns auf dem Katholikentag einmischen, ist selbstverständlich, aber um so erforderlicher, da ein Schwerpunktthema die Ökumene sein soll. Wir können davon ausgehen, dass die katholische (Amts)Kirche unter Ökumene etwas anderes versteht als wir. Deshalb werden wir ein „alternatives“ Ökumenisches Zentrum, gemeinsam mit der Leserinitiative Publik e.V. und der Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" gestalten. Es hat seinen Ort in der  evangelischen Johanniskirche. Dort wird ein laufendes Programm zu allen relevanten Reizthemen geboten – zur weiteren Selbstverständigung und Stärkung aller Reformerinnen und Reformer. Zugleich  werden wir uns in kritischer Weise auch dem evangelischen Megaevent „Lutherdekade“ annähern. In Abgrenzung zu rückwärtsgewandtem „Heiligenkult“ sprechen wir aber lieber von der „Reformationsdekade“ und wollen der Frage nachgehen: Was heißt heute Reformation – für heute?!
 
Auch die spirituelle Sphäre, aus der wir die Kraft für das, was wir tun, ziehen, ist uns ein Anliegen. Im November haben wir in der Hoffnungsgemeinde in Frankfurt am Main einen Workshop mit der von Kirchentagen bekannten afroamerikanischen Musikerin Flois Knolle-Hicks zu Spirituals und Texten von Dietrich Bonhoeffer veranstaltet, der in einen von den Teilnehmenden gestalteten Gottesdienst mündete. In diesem Jahr werden wir weiter an der Sammlung und Entwicklung von Gottesdiensten unter dem Arbeitstitel „Liturgie von unten“ arbeiten.
 
Unser Verständnis von lebendiger Kirche heißt ungebrochen: Einmischen und Beiträge leisten zur solidarischen Gestaltung der Lebensverhältnisse im Sinne der Option für die Armen, Gedemütigten, Mühseligen, Beladenen - und für die Bewahrung der Schöpfung. Wir werden auch weiter das uns Mögliche dazu tun und wie im November mit unserer Veranstaltung zur Frage nach einem neuen ökumenischen Sozialwort Plattformen dafür bieten,  die Grundaussagen des Sozialworts von 1997 für die Gegenwart zu aktualisieren und die sozialen Verwerfungen und die dafür verantwortlichen Verhältnisse, Ursachen und Funktionseliten zu skandalisieren.
 
Dabei gehen wir in unserer Arbeit und in Ihrem Namen durchaus an Grenzen - etwa an die Grenzen der EU nach Malta: Als Mitträger der Ökumenischen BAG Asyl in der Kirche e.V. haben wir dort im September in einem Projekt mit jungen Erwachsenen und Flüchtlingen die Lager besucht und die skandalösen Zustände angeprangert, unter denen Flüchtlinge dort zu leben gezwungen werden - und zwar in unserem Namen als Bürgerinnen und Bürger der EU! Dieses Thema wird uns auch im begonnenen Jahr nicht loslassen.
 
Nachdem sich schon der letzten "Querblick" mit der kirchlichen Verstrickung in Krieg beschäftigt hatte, werden wir auch in diesem Jahr an diesem Thema dranbleiben: Wie gehen Kirchengemeinden mit der Erinnerung an die Kriegstoten um? Zu diesem Thema, das uns auf der letzten Delegiertenversammlung in Halle stark bewegt hatte, wird es in der zweiten Jahreshäfte 2012 eine Arbeitstagung in der Evangelischen Akademie Wittenberg geben.
... und ... und ... und ...

Kirche ist immer in Bewegung. Netzwerke sind es auch. Ein Ausdruck dafür ist das Kommen und Gehen von Menschen und die damit verbundenen Umstellungen auf neues Miteinander. So wird die Delegiertenversammlung der IKvu vom 16. bis 18. März das Leitungsteam wieder „neu aufstellen“, denn drei der fünf Mitglieder scheiden aus: Christoph Rinneberg (Ordensleute für den Frieden) und Wiho Stöppelmann (Bonner Basisgemeinde im Romero-Haus), die beide seit sechs Jahren dabei sind, und ich, Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn (Ev. Wicherngemeinde Frankfurt am Main), der ich seit 2009 im LT und seit 2010 Sprecher der IKvu bin. Kandidatinnen und Kandidaten sind herzlich willkommen - unser Netzwerk lebt von Ihrem Engagement!
 
Es wäre schön, wenn ich möglichst viele von Euch in Hannover noch mal wiedersehe und auch einige neu kennenlerne. Bleibt stark!
 
Euer
Wolf Gunter Brügmann-Friedeborn
Sprecher der IKvu



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