Montag, 26. Juni 2017

IKvu-Special:

Umgang mit sexueller Gewalt in den Kirchen

Fälle sexueller Gewalt durch katholische Priester werden meistens erst bekannt, wenn sie strafrechtliche Konsequenzen haben. Einige Fälle der vergangenen Jahre in Deutschland, die überregional Aufsehen erregt haben.

 
Eine Aufstellung weiterer Fälle von sexueller Gewalt finden Sie auch auf Wikipedia unter dem Stichwort "Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche". Ebenso finden Sie auf www.gottes-suche.de eine Aufstellung mit Nennung vieler bekannt gewordenen Fälle in der katholischen Kirche und weiterer Veröffentlichungen.


Chronologie

Im März 2011 verkündet die DBK, man wolle den Opfern mit jeweils 5000 Euro helfen.


Bis Ende 2010 werden verschiedene Untersuchungsberichte aus den Bistümern veröffentlicht.
 
August 2010: Die DBK beschließt eine Neufassung der kirchlichen Richtlinien. Siehe hierzu auch an anderer Stelle in diesem Special.
 
Mai 2010: Der Abschlussbericht zu den Vorfällen im Jesuitenorden liegt vor. Es wurde jahrzehntelang systematisch vertuscht und die Täter gedeckt.
 
April/Mai 2010: Bischof Mixa tritt zurück.
 
März 2010: Viele weitere Fälle von sexueller Gewalt werden bekannt. Allein im Kloster Ettal sollen rund 100 Jugendliche in den 60er Jahren missbraucht worden sein. Weiter werden Fälle aus den Bistümern Limburg und Fulda bekannt, ebenso soll es bei den Regensburger Domspatzen in den 60er Jahren zu Übergriffen gekommen sein. Inzwischen sind 22 von 27 deutschen Bistümern betroffen.
Die Bundesregierung setzt Christine Bergmann als Missbrauchsbeauftragte ein und beschließt einen Runden Tisch zur Aufarbeitung der Ereignisse.
 
Februar 2010: Die Deutsche Bischofskonferenz spricht auf ihrer Frühjahrsvollversammlung eine Entschuldigung aus und will in naher Zukunft die Richtlinien für die Priesterausbildung überprüfen. Ebenso wird Bischof Ackermann Sonderbeauftragter für Missbrauchsfälle.
 
Im Februar 2010 steigt die Zahl derjenigen, die sich bei der Rechtsanwältin der Jesuiten gemeldet haben auf rund 115 - 120. Die Rechtsanwältin gibt bekannt, dass sich nicht nur Opfer von Jeusitenpatres, sondern auch anderer Orden u. a. der Salesianer Don Boscos und der Benediktiner in Ettal betroffen sind.
Am 21.02. gibt es die Meldung, dass ein aktueller Schüler einen Fall von 2005 am Bonner Kolleg der Jesuiten angezeigt hat.
 
Im Januar 2010 werden u. a. Fälle bekannt, die sich im Berliner Canisius-Kolleg, in der Hamburger Ansgar-Schule und am Kolleg St. Blasien der Jesuiten ereignet haben. Auf der Suche nach weiteren Opfern geht man an die Öffentlichkeit. Zeitgleich wird ein Fall aus dem Bistum Essen bekannt. Ebenso ein Fall in Berlin-Hohenhausen.
 
Im Herbst 2009 wird bekannt, dass der deutsche Pfarrer in Johannesburg des Missbrauchs verdächtigt wird. Anfang 2010 soll entschieden werden, ob Anklage erhoben wird.
 
Im Jahr 2009 wurden viele Missbrauchsfälle in Irland bekannt, die Rücktritte von zwei Bischöfen kurz vor Jahresende zur Folge hatten.
 
Am 30.07.2008 wird bekannt, dass ein Bamberger Domkapitular während seiner Zeit als Rektor eines Internates mehrfach Jugendliche belästigt haben soll.
 
Im Juni 2008 wird ein Fall im Bistum Augsburg bekannt.
 
Am 24.04.08 wird ein Verdacht gegen einen Priester aus dem Erzbistum Hamburg öffentlich.
 
Bei seinem Amerikabesuch Mitte April 2008 trifft der Papst Opfer sexueller Gewalt in New York und bittet im Namen der Kirche um Vergebung, ebenso verurteilt er das lasche Vorgehen der amerikanischen Bischöfe gegen die Priester
 
Am 03.04.08 wird bekannt, dass im Erzbistum Köln Vorwürfe gegen einen bereits verstorbenen Priester vorliegen. Das Generalvikariat ruft in der Pfarrgemeinde St. Maria Königin in Frankenforst / Bergisch Gladbach die Opfer öffentlich dazu auf, sich zu melden.
 
Anfang April 08 werden einige Fälle aus Österreich gemeldet.
 
Januar 2008: Aus der Schweiz werden aus verschiedenen Bistümern Verdachtsfälle gemeldet.
 
September 2007: Im Bistum Regensburg wird bekannt, dass ein vorbestrafter Priester wieder in den Dienst in einer Pfarrgemeinde eingesetzt wurde und dort wieder junge Menschen sexuell missbraucht haben soll.
 
Zwischen 2002 und 2007 wurden einige Fälle bekannt und in der Öffentlichkeit diskutiert, die wir hier nicht einzeln auflisten können.
 
Juli 2002: Das Bistum Mainz beurlaubt einen Priester aus dem Kreis Groß-Gerau in Hessen wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen. Der Priester soll sein Unwesen über Jahre hinweg getrieben haben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann kündigt an, den Vorwürfen rasch und intensiv nachgehen zu wollen.
 
April 2002: Ein 40-jähriger Pfarrer aus Sandberg (Bayern) erstattet bei der Polizei Selbstanzeige, dass er einen Jungen sexuell missbraucht hat. Die Diözese Würzburg entbindet den Mann von seinen priesterlichen Pflichten mit sofortiger Wirkung und informiert die römischen Behörden - das erste Mal, dass ein solcher Rapport an den Vatikan öffentlich bekannt wird.
 
2000: Ein katholischer Pfarrer aus dem Landkreis Coburg wird wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Der 60-Jährige soll sich an drei Jungen im Alter von neun und elf Jahren vergangen haben. Ein Vater hatte ihn im Weihnachtsgottesdienst des Missbrauchs seines Sohnes bezichtigt.
 
2000: Ein 45 Jahre alter Priester aus Südbaden wird wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Pater einer konservativen Bruderschaft hatte sich an zwei Jungen im Alter von sechs und acht Jahren sexuell vergangen und einen von ihnen zum Oralverkehr gezwungen.
 
1999: Ein 39 Jahre alter Pfarrer aus dem schwäbischen Ort Wald wird zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ihm wird sexueller Missbrauch in 59 Fällen vorgeworfen. Opfer waren zwei Jungen und ein Mädchen im Alter von elf bis 14 Jahren.
 
1998: Ein 67 Jahre alter Pfarrer aus dem oberschwäbischen Bergatreute wird wegen sexuellen Missbrauchs zu neun Monaten Haft auf Bewährung und 5 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Er soll im Religionsunterricht mehrfach die zehn bis zwölf Jahre alten Mädchen belästigt haben.
 
1996: Ein 47 Jahre alter Pfarrer von Wangen/Allgäu verzichtet nach Vorwürfen sexueller Verfehlungen auf sein Pfarramt. Das Ordinariat hatte ihn bereits beurlaubt. Ein Gerichtsverfahren wird eingestellt.
 
1996: Ein 65 Jahre alter katholischer Priester aus Haren im Emsland wird zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Der inzwischen pensionierte und in einem Kloster lebende Pfarrer soll sich acht Jahre lang in 225 Fällen an 14 Messdienern und Erstkommunikanten vergangen haben.
 
1995: Gegen einen 44 Jahre alten Pfarrer aus Gilching bei München wird wegen des Besitzes von Kinderpornos auf Videokassetten ermittelt. Der Pfarrer wird vom Dienst suspendiert.
 
1995: Ein 67 Jahre alter Pfarrer aus Hildesheim wird in den Ruhestand versetzt. Er gab zu, sich an mehreren minderjährigen Jungen vergangen zu haben. Es gab kein kirchliches Gerichtsverfahren, da die Taten verjährt waren.
 
1994: Ein Pfarrer aus Krefeld wird wegen sexuellen Missbrauchs an einem neunjährigen Jungen zu vier Jahren Haft verurteilt.
 
1993: Ein 44 Jahre alter Pfarrer aus dem hessischen Kreis Bergstraße wird wegen sexueller Nötigung zweier Mädchen zu zwei Jahren Haft mit Bewährung verurteilt. Er soll zwei damals 14 und 16 Jahre alte Schwestern in vier Fällen missbraucht haben. Der Priester hatte die Taten vor Gericht gestanden.
 


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