Sonntag, 19. November 2017

Arbeitskreis Alternativer Katholizismus

Anhaltende römische Machtanwendung und konsequente Umsetzung des Dogmas von der absoluten päpstlichen Regierungsgewalt haben dazu geführt, dass der Vatikan als einziger europäischer Staat noch nicht einmal die Konvention der Menschenrechte unterzeichnet hat. Das ist jedoch weniger die Folge eines Fehlverhaltens einzelner Bischöfe oder auch einzelner Interessengruppen in Rom. Es ist vor Allem seit den 1870 neu eingeführten Papst-Dogmen im System selber begründet. Wir sehen deshalb als alt-katholische Christen unsere Aufgabe darin, auf alternative Möglichkeiten katholischen Kirchenlebens aufmerksam zu machen.

Alt-Katholische Gemeinden entstanden in den Niederlanden bereits nach 1724, in Deutschland und verschiedensten anderen Staaten nach 1870. Zehntausende von Gläubigen wurden damals exkommuniziert, weil sie die päpstlichen Machtansprüche aus Gewissensgründen nicht anerkennen konnten. Sie gründeten daraufhin katholische Notgemeinschaften und führten bald wichtige Reformen durch, die im römischen Teil der Katholischen Kirche noch heute auf sich warten lassen.

Zu nennen sind hier etwa die gleichberechtigte Beteiligung der "Laien" bei den Pfarrer- und Bischofswahlen, die Abstimmung der kirchlichen Verfassung durch Abgeordnete aus allen Gemeinden, die Aufhebung des Zwangszölibates für Priester, die Verwaltung des kirchlichen Vermögens durch gewählte und der gesamten Kirche verantwortliche Gremien, die volle Wiedereinbeziehung der Frauen in alle kirchlichen Ämter und die Abschaffung von Gebühren für kirchliche Amtshandlungen. "Kirche von unten" ist hier also schon weitgehend verwirklicht!

Da es für Alt-Katholiken keine Berührungsängste gegenüber anderen Konfessionen gibt, gehören sie bereits seit 1874 auch zu den Begründern und Mitarbeitern der ökumenischen Bewegung: Angefangen bei den Bonner Unionskonferenzen über die Vereinbarung voller Kirchengemeinschaft mit den Anglikanern und die Mitarbeit im Weltkirchenrat bis hin zur Vereinbarung gegenseitiger Gastfreundschaft bei der Eucharistiefeier zwischen der Evangelischen und der alt-katholischen Kirche in Deutschland. Ein 1974 vereinbartes Pastoralabkommen mit der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz wurde im Vatikan auf Eis gelegt und konnte daher nicht offiziell zum Tragen kommen.

In der IKvu arbeiten wir mit, weil wir Teil der einen Katholischen Kirche sind und vieles von dem bereits praktizieren, was die Reformanliegen anderer IKvu-Gruppen ausmacht.

www.altkatholisch.de

Ansprechpartner: Pfarrer Ulf-Martin Schmidt, Katholische Kirchengemeinde der der Alt-Katholiken, Detmolderstr. 4, 10715 Berlin, 030-85409435, berlin@alt-katholisch.de