Sonntag, 19. November 2017

Initiative Ordensleute für den Frieden

Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und bringt die Armen zu Ehren

Die Initiative Ordensleute für den Frieden (IOF) ist ein Zusammenschluss von Ordensfrauen und -männern, sowie ihrem Freundeskreis, die zu den Ungerechtigkeiten in der Welt nicht länger schweigen können. Unsere Vision ist das Kommen des Reiches Gottes, das nach unserem Glauben durch Jesus Christus hier und jetzt anbrechen will:

Der Herr hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. (Lk 4,18)

Dieses Reich Gottes verwirklicht sich in der Option für die Armen, die notwendigerweise miteinschließt, den Mächtigen zu widerstehen und ungerechte Strukturen zu bekämpfen:

Gott stürzt die Mächtigen vom Thron, und bringt die Armen zu Ehren; er beschenkt mit seinen Gaben die Hungrigen, die Reichen aber schickt er mit leeren Händen fort. (Lk 1,52f)

Die Initiative wurde 1983 gegründet und versteht sich als Teil der Friedensbewegung. Jahrelang haben wir Mahnwache gehalten vor einer Cruise-Missile-Basis in Hasselbach. Nach dem Abzug der Raketen haben wir das Augenmerk darauf gerichtet, dass es keinen Frieden gibt ohne Gerechtigkeit für alle. Wir beklagen, dass unser Wirtschaftssystem zu immer größerer Ausbeutung führt.
Kapitalismus bekämpfen - die Macht des Geldes durchkreuzen

Täglich verhungern 40.000 Kinder, unser Planet wird zur Müllhalde, die Arbeitslosigkeit nimmt auch bei uns immer bedrohlichere Ausmaße an. In unserem Land und global verelenden die Armen immer mehr; gleichzeitig werden die Reichen noch reicher. Dies ist Folge eines gnadenlosen Kapitalismus, der durch die Verselbständigung und Globalisierung der Finanzströme in den letzten Jahrzehnten noch übermächtiger geworden ist. Die Bedürfnisse der Armen und der zukünftigen Generationen haben keinen Platz in diesen wirtschaftlichen Strukturen.

Dieses kapitalistische Wirtschaftssystem ist mit dem Christentum nicht vereinbar, denn hier wird der Mensch geopfert für ein System, in dem das Geld den höchsten Wert darstellt. Als Christinnen und Christen sind wir verpflichtet, dagegen zu kämpfen und nach neuen Systemen zu suchen, in denen die Würde des Menschen im Mittelpunkt steht.

Einen deutlichen Ausdruck findet die internationale wirtschaftliche Ungerechtigkeit in der Verschuldung der Dritten Welt. Durch Armut, überhöhte Militärausgaben autoritärer Regime und unverantwortliche Kreditvergabe der Banken sind viele Länder in eine Schuldenfalle geraten. Jetzt müssen sie alle wirtschaftlichen Anstrengungen auf den Export richten, allein um die Zinsen zahlen zu können. Dies ist eine moderne Form von Schuldsklaverei, die auch die wirtschaftliche Ausbeutung innerhalb der betroffenen Länder verstärkt und zementiert. Daher fordern wir insbesondere von der Deutschen Bank, der größten und mächtigsten Geschäftsbank Deutschlands, eine Streichung der Schulden der Dritten Welt. Mit regelmäßigen Mahnwachen und Aktionen, die zivilen Ungehorsam einschließen, machen wir auf die ungerechten Strukturen aufmerksam und leisten Widerstand.
Die Fremden nicht unterdrücken

In verschiedenen Regionalgruppen konzentrieren wir uns auf spezielle Aspekte der weltweiten Ungerechtigkeit, insbesondere auch auf die unmenschliche Asylpolitik Deutschlands. Wir beklagen eine zunehmende Abschottung unseres Landes gegen Flüchtlinge, die bei uns Schutz suchen. Der Zugang nach Deutschland wird selbst für politische Flüchtlinge fast unmöglich gemacht, ein faires Asylverfahren ist kaum gewährleistet, und Flüchtlingen wird das Existenzminimum vorenthalten.

Diese Politik leugnet unsere internationale Verantwortung und insbesondere unsere Verstrickung in die Fluchtursachen durch Rüstungsexporte und wirtschaftliche Ausbeutung. Wir fordern eine Bekämpfung von Fluchtursachen, nicht von Flüchtlingen. Das heißt: Stopp der Rüstungsexporte, Umstellung von Rüstungsproduktion auf zivile Produktion, eine internationale Friedenspolitik, die nicht mit militärischen Interventionen gleichgesetzt werden darf, ein Ende der wirtschaftlichen Ausbeutung.

Politiker haben schamlos rassistische Gefühle aufgeheizt und so geistige Brandstiftung betrieben. Zusammen mit anderen arbeiten wir für eine Aussöhnung mit den bei uns lebenden Ausländerinnen und Ausländern und fordern eine entsprechende Umorientierung der deutschen und europäischen Asyl- und Ausländerpolitik.
Ein neuer Himmel und eine neue Erde

Als Ordensleute, die in internationalen Gemeinschaften leben, müssen wir zu Fürsprecherinnen und Fürsprechern der Verlierer unseres Wirtschaftssystems werden, bei uns und weltweit. Gleichzeitig wissen wir uns inspiriert von der Hoffnung dieser Verlierer auf eine gerechte Gesellschaft. Nur mit den Armen können wir den Weg zur Befreiung finden.

Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. (...) Gott wird in ihrer Mitte wohnen, und sie werden ein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. (Offb. 21,1.3b)
http://www.iof-online.zzl.org  

Ansprechpartner: Sr. Roswith Köhler MSC, Kolpingstraße 20, 47179 Duisburg, Tel.: 0203/482250