Dienstag, 22. August 2017

Für eine gerechte Kirche und eine gerechte Welt

Selbstverständnis-Erklärung der Initiative Kirche von unten

IKvu-Delegiertenversammlung am 15.-17. Oktober 1999 in Mainz


"Unsere Hoffnung heißt Gerechtigkeit."

- dieses Leitwort des KatholikInnentages von unten 1998 in Mainz gibt treffend die Zielsetzung der Initiative Kirche von unten wieder: beizutragen zu einer gerechteren Kirche und einer gerechteren Welt.

Dazu fühlt sich die IKvu verpflichtet und ermutigt durch die große prophetische Tradition unseres Glaubens. Diese begegnet uns auch im Leben und in der Botschaft Jesu. Er glaubte an
einen Gott, der sich allen Menschen zuwendet und Partei ergreift für die Kleinen und Verachteten.

Die Gerechtigkeit Gottes, der uns Menschen gerecht macht und die Sünderinnen und Sünder ohne Vorbehalt annimmt, können wir nur bezeugen im Einsatz für eine Welt, in der niemand ausgeschlossen oder benachteiligt wird.

Die Option für die Armen und Unterdrückten wurde ursprünglich entwickelt und vertreten in der Theologie der Befreiung. Sie muß auch Maßstab der Theologie und kirchlicher Praxis hierzulande werden. Dafür setzt die IKvu sich ein.


Befreiung in der einen Welt

Die IKvu bekennt sich zur Zielsetzung des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.

Gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern in anderen Gruppierungen und Ländern folgt sie der Vision einer Welt, in der das Bewußtsein für Grenzen zunimmt, nämlich Grenzen des Wachstums, der Mobilität und nicht zuletzt des Menschen selbst.

In dieser Welt wird die persönliche Selbstbestimmung im Einklang stehen mit der Teilhabe des Einzelnen an der Gesellschaft.

Das Bewußtsein für die gegenseitige Abhängigkeit aller Menschen wird wachsen, und eine nachhaltige Entwicklung wird den Bedürfnissen zukünftiger Generationen entsprechen.

Frei von existentieller Bedrohung, werden die Menschen frei werden von Einengungen durch Geschlechterrollen und soziale Schichtzugehörigkeit und so die Freiheit, zu der uns Gott berufen hat, leben können.


Befreiung in der Kirche

Die IKvu versteht sich als eine Initiative für die Erneuerung der Kirche.

Nach unserer Überzeugung ist Kirche die Gemeinschaft der Gläubigen der gesamten Christenheit. Von oben erleben wir zu sehr das Vertrauen in die Konservierung bestehender Strukturen. Dagegen setzen wir eine Erneuerung von unten, aus der Erfahrung des gelebten Christentums, das den Nöten der Zeit nahe ist.

Wenn sich die Kirche dem Wirken des Geistes öffnet, wird sie Pluralismus zulassen, ohne sich in Beliebigkeit zu verlieren. Sie wird die Vielfalt der Traditionen und konfessionellen Ausprägungen als Bereicherung erfahren.

Sie wird es nicht nur tolerieren, sondern es als notwendig begreifen, daß Menschen den überlieferten Glauben in ihrem kulturellen Kontext und ihren jeweiligen Lebensbedingungen neu zu buchstabieren und zu übersetzen suchen.

Dazu ist unsere Umkehr als Kirche notwendig. Mut ist gefordert, historische Fehler und Entwicklungen zu korrigieren, welche die Kirche heute hindern, den Erfordernissen der Zeit gerecht zu werden, ihre Glaubwürdigkeit schmälern und ihr Zeugnis für das Evangelium beeinträchtigen.


Utopie und Widerstand

Kirche wird der unter dem Schlagwort Globalisierung zunehmenden Ökonomisierung aller Lebensbereiche widerstehen.

Sie wird erkennen und verkündigen, daß diese Entwicklung dem Evangelium Jesu Christi zuwiderläuft und dem Glauben den Boden zu entziehen droht.

Deshalb wird sie der Illusion einer "schönen neuen Welt" nicht erliegen, in der sich alles rechnet und rechnen muß, die meint, Utopien nicht mehr nötig zu haben.

Zur scheinbaren Machbarkeit aller Dinge und der Allmacht des Marktes wird sie ein Gegengewicht bilden, um so die Menschlichkeit zu verteidigen.

Kirche wird wieder entdecken, daß Kritik an den Mächtigen ein Kernstück des jüdisch-christlichen Erbes für die Menschheit ist.

Sie wird die Zusammenarbeit mit ungewohnten Koalitionspartnerinnen und -partnern suchen.

Ihren Dienst für mehr Gerechtigkeit in der Welt kann sie glaubwürdig jedoch nur dann leisten, wenn sie auch in ihrem Inneren Gerechtigkeit schafft.


Für das Reich Gottes

Die IKvu will mithelfen, die kleingläubige Sorge der Kirche um sich selbst zu überwinden und entschlossen dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit entgegenzugehen.

Unserer Unzulänglichkeit bewußt, wollen wir solidarisch sein mit den Zurückgesetzen und Vergessenen unserer Zeit. Denn:

Unsere Hoffnung heißt Gerechtigkeit!