Samstag, 20. Juli 2019

BRSD Pressemitteilung

Am 18. März 2015 demonstrierte das Blockupy-Bündnis
in Frankfurt

Dazu erklärt der Sprecher des Bundes der Religiösen Sozialist(inn)en Deutschlands e.V. und Schriftleiter der Zeitschrift CuS:


20 000 Menschen haben in Frankfurt gewaltlos demonstriert gegen „eine Wirtschaft, die tötet“ (Papst Franziskus), weil sie Menschen ins Elend oder sogar zum Suizid treibt, nur weil Banken, die in armen Ländern Geld verloren haben, entschädigt werden sollen.

Immer wieder versucht die Politik zu vermitteln, dass es zur derzeitigen Krisenpolitik keine Alternative gibt als Bankenrettungen, Schuldenbremsen, Sparen, Privatisierungen und Liberalisierungen der Arbeitsmärkte. Geholfen hat das bisher wenig.

Die Schulden steigen und die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander.

In Lateinamerika gibt es seit einigen Jahren eine Politik, die sich als Alternative zu diesem neo-liberalen Mantra versteht. So haben einige Länder ihre Schulden nicht oder nur teilweise zurückgezahlt, die Ausgaben für Soziales, Bildung und Infrastrukur sind gestiegen, die Armut wurde reduziert, sowie privatisierte Unternehmen wurden wieder in öffentlicher Hand genommen. Das Motto der Regierung in Ecuador ist: "erst der Mensch - dann die Banken". In der Verfassung ist die Übernahme von privaten Schulden durch die Regierung verboten.

Auch der Bund der Religiösen Sozialist(inn)en Deutschlands e.V. hatte auf seiner Homepage zur Teilnahme aufgerufen mit dieser Begründung:

„Anklage und Protest – auch sie sind Teil des biblischen Erbes, in dem wir verwurzelt sind. Wie einst die Prophet(inn)en glauben wir auch heute, dass wir Christ(inn)en gerufen sind, Unrecht und Ungerechtigkeit dort, wo wir sie sehen, klar zu benennen, auch wenn es unbequem ist. Wir müssen erklären und überzeugen, aber auch mutig prophetische Zeichen setzen, wo dies heute gefragt ist.

In Frankfurt ist ein Prunkbau entstanden: Mit 1,3 Milliarden Euro ist der EZB-Neubau eines der teuersten Gebäude Europas. Während sich bei der Eröffnungsfeier die Spitzen aus Politik und Wirtschaft selber für ihr erfolgreiches Krisenmanagement feiern wollen, leiden die Menschen in Spanien, Portugal, Italien und Griechenland immer noch Tag für Tag: sie verlieren durch Zwangsräumungen ihren Wohnraum, werden obdachlos, stehen in langen Schlangen vor Suppenküchen an oder sind gezwungen auszuwandern, um weit weg von den Menschen, die ihnen nahe stehen, oftmals schlecht bezahlte Jobs im Ausland anzunehmen. Diese Menschen werden ihrer Perspektiven beraubt und in den Möglichkeiten ihres Lebens massiv eingeschränkt. Die Sparpolitik und ihre Konsequenzen für das Leben der Menschen werden uns als alternativlos verkauft. Als Christ(inn)en dürfen wir uns mit dieser Alternativlosigkeit nicht abfinden!

Denn wir glauben an einen Gott, der Alternativen schafft zu einem Leben in Unterdrückung und Entwürdigung. An eine Welt, in der Leben in Fülle möglich wird.“

Leider ist das Andenken an die friedliche gewaltfreie Demonstration so vieler Menschen  beschädigt worden. Die Aufmerksamkeit richtete sich vorwiegend auf gewaltsame Ausschreitungen. Autos wurden angezündet, Polizisten und Feuerwehrleute attackiert, Beamte und Demonstranten wurden verletzt, Bus- und Straßenbahnstationen zerstört, durch brennende Barrikaden wurde die Luft belastet, Steine wurden geworfen. Bilanz: “150 verletzte Polizisten, darunter zwei schwer. Sieben ausgebrannte und 55 beschädigte Polizeifahrzeuge sowie zahlreiche beschädigte Privatautos. Blockupy spricht von 200 verletzten Aktivisten.“ (Spiegel online)  

Solche Gewalt verurteilen wir. Sie widerspricht demokratischer Praxis der freien Meinungsäußerung. Sie ist auch nicht mit dem jüdisch-christlichen Gebot der Nächstenliebe zu vereinbaren. Sie verschreckt Bürger(innen) und schadet eigenen Zielen, für mehr Gerechtigkeit und Frieden in der Welt einzutreten.

Gewaltbereite Demonstranten bitten wir, sich gewaltfreie Aktionen zum Vorbild zu nehmen und bei ihren Theoretikern wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King oder der Friedensbewegung wie z.B. dem Internationalen Versöhnungsbund in die Lehre zu gehen.

Dr. Reinhard Gaede