Donnerstag, 19. September 2019

Für einen grundlegenden Neubeginn

Pressemitteilung des Oekumenischen Ratschlags am 22. Juni 2019 in Dortmund

Der Ratschlag bekennt sich zu den Zielen des gemeinsamen ökumenischen Weges zu „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung”. Diese Ziele bilden eine untrennbare Einheit und sind ein Kennzeichen der christlichen Gemeinsamkeit. In der DDR hat dieser Prozess 1989 wesentlich zur friedlichen Revolution beigetragen. Papst Franziskus hat in „Laudato Si” für die römisch-katholische Kirche die gleichen Schlussfolgerungen gezogen.
 
Die Teilnehmenden am Ratschlag setzen sich ein für ein gutes Leben für alle Menschen im Rahmen der planetarischen Grenzen. Dies bedeutet Abkehr von dem auf materiellen Wachstum und Geldvermehrung aufbauenden Lebensstil der Gesellschaften im globalen Norden und der reichen Oberschichten des Südens.
 
Alle Menschen haben ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Die Liebe zur Schöpfung verwandelt die anthropozentrische Weltsicht in eine biozentrische.
 
Die Verantwortlichen in Kirche und Politik haben in den vergangenen Jahren zu wenig unternommen, um den Zielen des Konziliaren Prozesses näher zu kommen. Die ökologischen, ökonomischen und friedensgefährdenden Krisen verschärfen sich und bedrohen alles Leben auf der Erde. Der Oekumenische Ratschlag erinnert die Kirchen an ihre Verpflichtung, sich aktiv und engagiert für eine grundlegende Umkehr im Denken und Handeln einzusetzen, sowohl auf der Ebene der Gemeinden als auch der Leitungen.
 
Der Ratschlag unterstützt die 17 Ziele der UN-Agenda 2030, weil sie eine grundlegende Transformation der Gesellschaft fordern. Da die Agenda 2030 jedoch keine Abkehr von der systembedingten Wachstumsideologie vorsieht, steht sie sich bei der Umsetzung ihrer Ziele selbst im Weg. Die ökumenische Bewegung muss die Defizite der Agenda 2030 mittels konkreter Vorschläge aus dem Geist des konziliaren Prozesses konstruktiv bearbeiten und fehlende Aspekte ergänzen. Die 17 Nachhaltigkeitsziele sind ohne grundsätzliche Änderung der Wirtschafts- und Lebensweise nicht realisierbar.
 
Der Ratschlag unterstützt alle Bewegungen und gesellschaftlichen Initiativen, die mit den Werten und Zielen des konziliaren Prozesses vereinbar sind. In diesem Sinne solidarisiert er sich mit der „Fridays for future” Bewegung und der „Extinction Rebellion”.
 
Der Ratschlag schlägt den Kirchen vor, die „Schöpfungszeit" im September oder die Friedensdekade im November zu Lernprozessen im konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu erweitern. Dabei kann ein „Umkehrtag” bündeln.
 
Der Ratschlag  lädt ökumenische Initiativen ein, sich gemeinsam auf den Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt und die Vollversammlung des Ökumenischen Rates in Karlsruhe 2021 vorzubereiten.

***
 
Der Oekumenische Ratschlag dient als regelmäßiges Beratungstreffen für das Oekumenische Netz in Deutschland, in dem zahlreiche Basisinitiativen zusammenwirken. Eine juristische Plattform bietet die Stiftung Oekumene. Kontaktadresse: Geschäftsstelle der kommunalen Ökumene Treptow-Köpenick, Rudower Str. 23, 1255 7 Berlin; E-Mail: oek_trep_koep@gmx.de , www.oekumenischer-ratschlag.de