Mittwoch, 21. April 2021

IKvu-Pressemitteilung

Erschreckend, zerstörend und rückwärts gewandt

Zum Vatikan-Dokument über die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften


17.03.2021 Recklinghausen/Dresden


„Das Vatikan-Papier ist so etwas wie ein Totalausfall. Diesem Dokument fehlt jegliche frohe Botschaft. Die römisch-katholische Kirche verpasst ihren Auftrag, das Evangelium zu verkünden,“ sagt Markus Gutfleisch, Experte für katholische Kirchenpolitik im Ökumenischen Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu). Die katholische Glaubenskongregation verurteilt jede Sexualität außerhalb der Ehe. Respekt und Takt dürfen demnach nur homosexuelle Einzelpersonen erwarten, die darauf verzichten, einen anderen Menschen zu lieben.

Das am Montag veröffentlichte Dokument wiederholt und bekräftigt bisherige römische Stellungnahmen. Neue Erkenntnisse der Bibelwissenschaft und der Humanwissenschaften werden greift es nicht auf. Markus Gutfleisch findet, das Papier „klebt  an den Buchstaben der bisherigen  kirchlichen Lehre. Viele Menschen werden nun endgültig an der Reformunfähigkeit der katholischen Kirche verzweifeln,“ so seine Befürchtung. Zudem sei die römische Äußerung ein Schlag ins Gesicht für alle, die eine menschenfreundliche Kirche wollen. Gutfleisch schätzt, dass das die Mehrheit der Katholik*innen in Deutschland ist, und verweist auf den Synodalen Weg der katholischen Kirche. Mit diesem Prozess beraten Laien und Bischöfe seit 2019 über notwendige Reformschritte.

Enttäuschend ist aus Sicht des Kirchenexperten die Rolle von Papst Franziskus in dieser Frage. Bisher hatte das Kirchenoberhaupt gefragt „wer bin ich, zu urteilen?“; im letzten Jahr deutete er an, dass er vielleicht homosexuelle Lebenspartnerschaften akzeptiert. Die Veröffentlichung des  aktuellen Vatikan-Dokument soll er jedoch „gutgeheißen“ haben. Welcher Geist wirklich in Rom herrscht, ist immer schwerer zu verstehen. Klar wird aber: Gut-meinende pastorale Gesten ändern nichts an starren Regelwerken. Mut und Ungehorsam sind jetzt und in Zukunft angesagt, um hier grundlegende Änderungen zu erreichen.

Für die Initiative Kirche von unten steht fest: Mit diesem Dokument ist die Frage, auf die Rom Antwort geben will, längst nicht beantwortet. Die IKvu geht davon aus, dass sich der theologische und kirchenpolitische Rückwärtsgang in der Kirche nicht durchsetzen kann. Und dass katholische  Seelsorger*innen auch weiterhin Segnungsgottesdienste mit lesbischen und schwulen Paaren feiern werden. Andere Kirchen und Glaubensgemeinschaften sind längst weiter – und viele engagierte Christ*innen können daher aus eigener Erfahrung sagen: Doch, das geht!

Kontakt:

Markus Gutfleisch
mobil: 0151 112 63 998
e-mail: gutfleisch.markus@posteo.de

Dr. Sebastian Dittrich, Dresden        
Mail: dittrich@ikvu.de