Dienstag, 24. Mai 2022

Stellungnahme zum Thema Zölibat im Synodalen Weg

Der Zölibat ist das Problem nicht die Lösung

Stellungnahme der Jahreshauptversammlung der Vereinigung Katholischer Priester und ihrer Frauen zum Dokument „Versprechen der Ehelosigkeit im Dienst von Priestern“ des Synodalen Weges

Wiesbaden, den 23.04.2022

Angesichts der weltweit sich immer deutlicher abzeichnenden Erkenntnis, dass der Pflichtzölibat der katholischen Priester eine geradezu destruktive Dimension angenommen hat, liest sich das Grundlagenpapier des Synodalforums zur priesterlichen Existenz wie eine beschwichtigende Beschönigung. Es ist dadurch geradezu ein Schlag ins Gesicht aller vom Zölibat Betroffenen, insbesondere aber seiner Opfer.

Das „siebenfache JA“ als Kniefall vor dem Pflichtzölibat am Beginn des Dokumentes ist der gegenwärtigen Lage der katholischen Kirche unangemessen. Wir möchten an dieser Stelle an viele bedrückende Sachverhalte erinnern. Bis in die höchste Spitze des hierarchisch-autokratischen Systems der katholischen Kirche führt der Zölibat selbst Menschen in perverses und menschenverachtendes Verhalten oder dient als existentieller Deckmantel:

Hermann Groer, von Johannes Paul II ernannter Kardinal von Wien, wird 1995 des Kindesmissbrauchs überführt, eine Entschuldigung des Vatikans bleibt aus.
Theodore Edgar McCarrick wird 2001 von Johannes Paul II zum Erzbischof und Kardinal ernannt, obwohl der Vatikan bereits über die Missbrauchsvorwürfe gegen ihn informiert war.

Kardinal Law kann sich 2002 seiner Verantwortung für die vielfache Gefährdung des Kindeswohls durch von ihm gestützte Missbrauchstäter entziehen und findet Schutz vor Strafverfolgung im Vatikan.

Marcial Maciel, Gründer der Legionäre Christi, wird trotz der Kenntnisse über seine sexuelle Perversion und seine vielfachen Untaten bis zum Schluss (2005) von Johannes Paul II. unterstützt. Auch Kardinal Ratzinger unternimmt nichts bis zum Tode des Papstes.

Kardinal Lopez Trujillo (+2008) missbraucht seine Stellung als Erzbischof, um junge Seminaristen zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Entgegen seiner öffentlichen Stellungnahmen zur praktizierten Homosexualität besucht er selbst männliche Prostituierte. Er schlägt sie und behandelt sie in menschenverachtender Weise.  Dieser Mann wird trotzdem zum Präsidenten des päpstlichen Rates für die Familie ernannt und verbreitet Falschinformationen über die mögliche Aidsprävention durch Kondome. Er trägt Mitverantwortung für Millionen Aidstote in katholisch geprägten Ländern Südamerikas und Afrikas.
In den letzten Jahren wurde eine unbeschreibliche Zahl von Missbrauchstätern unter Priestern in ganz Europa und weltweit aufgedeckt. Die MHG Studie belegt klar, dass der Pflichtzölibat als verschärfendes Element sexueller Unreife und als Schutzmantel für Missbrauchstäter in direkter Beziehung zu den Missbrauchstaten steht.

Der sexuelle Missbrauch von Ordensschwestern durch katholische Priester weltweit wird in der prämierten und derzeit auf ARTE ausgestrahlten Dokumentation „Gottes missbrauchte Dienerinnen“ klar belegt. Die durch den Pflichtzölibat verursachte Perversion erreicht einen Höhepunkt, wenn in Afrika Oberinnen ihre Ordensschwestern Priestern zum Sex anbieten und im Falle einer Schwangerschaft diese zur Abtreibung drängen. Entscheidet sich die Schwester für das Kind, lässt die Ordensgemeinschaft sie komplett fallen.
Angesichts all dieser Sachverhalte fordern wir die Deutschen Bischöfe auf, zum Schutz der immer noch betroffenen Menschen weltweit tätig zu werden und auf die unverzügliche Abschaffung des Pflichtzölibats zu drängen, um Schlimmeres zu verhindern. Das Evangelium gebietet dies. Jesus ist ein klarer Gegner der pharisäischen Perversion von Gesetzen und nichts anderes ist tausendfach durch das Zölibatsgesetz geschehen. Das Zölibatsgesetz hat sich als menschenverachtendes Gesetz erwiesen.

Wir fordern die Mitglieder des Synodalforums „Priesterliche Existenz heute“ auf, klar und deutlich und ohne diplomatisches Wenn und Aber die Abschaffung des Pflichtzölibats zu fordern. Die Situation für alle Gläubigen wird immer unerträglicher.

Diese Stellungnahme ist ein Weckruf. Es muss etwas getan werden! Und zwar unverzüglich. Die angeführten Beispiele sind nur die Spitze eines Eisbergs voll zölibatärer Kälte und Abwertung der menschlichen Person.

Für die Mitglieder der Jahreshauptversammlung, der namentlich unterzeichnende Vorstand der Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen

Dr. Hans-Jörg Witter
Theresia Kohl
Frank Kohl
Ferdinand Birrewitz
Hermann Kast