Samstag, 20. Juli 2019

Positionen im Dialogprozess

„Positionen im Dialogprozess“ legt die „Aktionsgemeinschaft Rottenburg“, eine Gruppe von Priestern und Diakonen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, nun vor.

10. Mai 2012, Frankfurt am Main

 

Die IKvu begrüßt das Positionspapier der „Aktionsgemeinschaft Rottenburg“ (AGR) als wichtigen Impuls für den Dialogprozess über die Zukunft der römisch-katholischen Kirche in Deutschland.

 

„Nachdem der Dialogprozess bisher vor allem von Ziellosigkeit und dem Ausgrenzen von zentralen Reformthemen geprägt ist, melden sich nun endlich auch Priester zu Wort und artikulieren ihre Konkretion einer menschenfreundlichen Kirche“, so Bernd Hans Göhrig, Bundesgeschäftsführer der Kirche von unten. „Faktisch wird in diesem „Dialog“ eine durch angebliche Ergebnisoffenheit verschleierte konservative Wende vollzogen: Pastorale Strukturen werden zerschlagen, Mitbestimmung zurückgedreht, ein altbackenes Kirchenbild etabliert, dringende Reformanliegen als unkatholisch denunziert. Auch der Mannheimer Katholikentag zeichnet sich schon jetzt als verpaßte Chance in diesem Prozess ab. Die Positionierung der AGR zeigt erfreulich klar, welcher Weg in die Zukunft einer glaubwürdigen Kirche führen würde.“

 

Angeregt durch den Ungehorsamsaufruf der „Pfarrer-Initiative Österrreich“ formulieren die 154 Mitglieder der AGR in einem zweiseitigen Positionspapier „wichtige Anliegen, die uns als Verantwortliche in der Pastoral bedrängen und die seit dem II. Vatikanischen Konzil, der Würzburger Synode und der Diözesansynode auf überzeugende Antworten warten.“

Zu vier Themen formuliert die AGR konkrete Forderungen:

 

(1) Sie wendet sich gegen den unverantwortlichen Auschluss von „wiederverheirateten Geschiedenen“ von den Sakramenten, die dadurch noch zusätzlich „die Ablehnung ihrer Kirche ertragen müssen“.

 

(2) Sie bietet allen „nichtkatholischen Christen, die bewusst im Glauben die Eucharistie mitfeiern“ und denen „die Einheit der Christen am Herzen liegt“, die „eucharistische Gastfreundschaft“ an und verwehrt „den katholischen Christen nicht, die Einladung zum evangelischen Abendmahl anzunehmen.“

 

(3) Sie setzt sich „für neue und vielfältige Gemeindeformen“ ein: Pastorale Strukturen dürfen nicht vom „Personalbestand der Priester abhängig“ gemacht werden, sondern muß sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Eine Pastoral der „Lebensraumnähe“ und der „milieuorientierten Vernetzung“ muß zu einer „engen Verbindung von Verkündigung und Diakonie, von Sakrament und Lebensvollzug“ führen. „Träger und Subjekt der Seelsorge“ sind die Gemeinden.

 

(4) Eine gründliche Reform der kirchlichen Leitungsstrukturen muß zu einer Neugestaltung des Leitungsamts führen und das Amt für „Verheiratete und Unverheiratete, Frauen und Männer, Hauptberufliche und Ehrenamtliche als Dienst am Volk Gottes“ öffnen.

 

 

Auf dem Katholikentag in Mannheim diskutieren Stefan Cammerer vom AGR-Vorstand und Helmut Schüller, Sprecher der Pfarrer-Initiative Österreich mit Prof. Hanspeter Heinz (Augsburg) u.a. über „Kirchenreform für Anfänger. Strategien zwischen Dialog und Widerstand“ im alternativen Zentrum von IKvu, Leserinitiative Publik/Publik-Forum und Wir sind Kirche in der Evangelischen Johanniskirche (Samstag, 19. Mai, 14–16 Uhr).

 

Die „Aktionsgemeinschaft Rottenburg“ wurde 1969 gegründet und ist Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft der Priester- und Solidaritätsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland“ (AGP) im Ökumenischen Netzwerk Initiative Kirche von unten.

 

Kontakt zur Aktionsgemeinschaft Rottenburg
Pfarrer Klaus Kempter, AGR-Sprecher, Öhringen
Telefon 07941 – 98 97 90
E-mail: Klaus.Kempter@drs.de

 

Pfarrer Andreas Krause, AGP-Sprecher und AGR-Vorstand, Murrhardt
Telefon 07192 – 93 39 39
Mobil 0175 – 56 30 55 8
E-mail: akrause@kircheoberesmurrtal.de

 

Pfarrer Stefan Cammerer, AGR-Vorstand, Ulm
Telefon 0731 – 93 86 39 0
E-mail: Stefan.cammerer@web.de

 

Kontakt zur IKvu

Bernd Hans Göhrig, Frankfurt am Main
Mobil 0179 – 52 44 075
E-mail: presse@ikvu.de

 

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 35 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.

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