Dienstag, 28. Juni 2022

Krise im Bistum Limburg erfordert einen Neuanfang

Zur Kritik an der Amtsführung des Limburger Bischofs Tebartz-van Elst. Priesterkreise als notwendiges Korrektiv.

 

Bonn, den 21.09.2012

 

Vier Jahre nach der Einführung von Franz-Peter Tebartz-van Elst als Bischof von Limburg werden die unter seiner Leitung vollzogenen Veränderungen in Richtung auf ein traditionalistisches Profil des Bistums nun endlich auch öffentlich diskutiert: Das Papier „Dialog im Bistum Limburg“ des „Hofheimer Kreises“ fordert eine grundsätzliche Kehrtwende im Leitungsstil, bei inhaltlichen Schwerpunkten und im atmosphärischen Miteinander. Aus den Pannen der letzten Monate müssen personelle Konsequenzen gezogen werden.

 

Das Papier „Dialog im Bistum Limburg“ des „Hofheimer Kreises“ vom 25. März 2012 versteht sich als „Beitrag von Priestern der Diözese mit Themen- und Gestaltungsvorschlägen zum kirchlichen Miteinander“. Es benennt eine ganze Reihe seit langem bekannter gravierender Defizite: Vertrauensverlust zwischen Bistumsleitung und MitarbeiterInnen, mangelnder Respekt vor der besonderen synodalen Tradition dieses Bistums, rigide pastorale Veränderungen ohne Rücksicht auf die Betroffenen, die Deformation des Priesterprofils ungeachtet realer spiritueller Bedürfnisse, Verdächtigungen mangelnder Kirchlichkeit und das Fehlen eines echten Dialogs.

 

Die Autoren argumentieren sachlich und erkennbar von der Sorge um die Zukunft des Bistums motiviert: Ihr Ziel ist es, „einen moderierten Pastoralentwicklungsprozess der synodalen Gremien und der Bistumsleitung zu initiieren, der das Miteinander im Bistum stärkt, vertieft und erneuert.“

Nachdem der Priesterrat des Bistums das Dialogpapier am Montag in konstruktiver Atmosphäre mit der Bistumsleitung beraten hatte, folgten tags darauf drastische Zurückweisungen von Bistumssprecherin Eva Demmerle und dem Leiter der diözesanen Pressestelle Martin Wind: Die Kritikpunkte des Dialogpapiers seien „an den Haaren herbeigezogen“, die Vorwürfe seien überhaupt nicht nachvollziehbar.

 

Dieser Vorgang zeigt erneut, wie gravierend nicht nur Kommunikations- und Wahrnehmungsdefizite, sondern auch Missgriffe in der Auswahl der engeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bischofs zur Verschärfung der Krise beitragen: Zuletzt war Generalvikar Franz Kaspar wegen der offenbar politisch motivierten fristlosen Entlassung von Patrick Dehm als Leiter des Frankfurter „Hauses der Begegnung“ und Vorsitzender des renommierten Arbeitskreises „Kirchenmusik und Jugendseelsorge“ in die Kritik geraten. Der Generalvikar ist zudem dem Vorwurf ausgesetzt, in seiner früheren Tätigkeit als Stiftungsdirektor des Behindertenheims St. Vincenzstift in Rüdesheim-Aulhausen eindeutigen Verdachtsmomenten zu sexuellen Gewaltdelikten nicht nachgegangen zu sein.

 

Auch die Verpflichtung des PR-Beraters Dirk Metz zeigt keine glückliche Hand: Statt Kritik an der Amtsführung in einem echten Dialog mit den vorhandenen Synodalgremien zu begegnen, etablierte Bischof Tebartz-van Elst einen bemerkenswert skurilen Führungsstab, der den angemahnten Dialog dann arrogant als „dialogisieren“ (Eva Demmerle) diskreditiert.

 

Das Bistum Limburg braucht dringend einen personellen und konzeptionellen Neuanfang: Ein pastoraler Entwicklungsprozess, wie vom Hofheimer Kreis vorgeschlagen, würde die Chance bieten, „Dialog“ nicht nur als Leerformel zu missbrauchen, sondern das Bistum auf Basis der vorhandenen synodalen Strukturen in seiner Gesamtheit in den Blick zu nehmen. Auf diese Weise könnten die aktuellen pastoralen Herausforderungen mit Ehren- und Hauptamtlichen, Synodalen und Priestern gemeinsam erfolgreich bearbeitet werden.

 

Zum Hofheimer Kreis gibt es parallele, öffentliche oder nicht öffentliche Priesterinitiativen wie die Pfarrer-Initiative im Erzbistum Freiburg oder die Aktionsgemeinschaft Rottenburg (AGR) in der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Priester- und Solidaritätsgruppen (AGP).

 

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Kontakt:

 

Bernd Hans Göhrig
IKvu-Bundesgeschäftsführer
Mobil: 0179 – 52 44 075
E-Mail: goehrig@ikvu.de

 

Edgar Utsch
AGP-Sprecher
Tel.: 0209 - 23 7 36
E-Mail: Edgar.Utsch@t-online.de

 

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Initiative Kirche von unten (IKvu) ist ein ökumenisches Netzwerk von 33 Basisgemeinden, kirchen- und gesellschaftskritischen Gruppen in der Tradition des politischen Linkskatholizismus und -protestantismus und der Befreiungstheologie.

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Ökumenisches Netzwerk Initiative Kirche von unten (IKvu)
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