Samstag, 18. September 2021

Evangelische Lydiagemeinde Frankfurt am Main

Gott zur Sprache bringen – Raum geben – Leben teilen


Das war eine schwierige Aufgabe: Wie sollte unsere neue Gemeinde heißen? Ein Name ist schließlich nicht Schall und Rauch. Welcher Name drückt die Ziele der neuen Gemeinde aus, die wir im Leitbild festgelegt haben? Fast 40 Vorschläge hatten wir von Gemeindemitgliedern erhalten, die wir sichteten und diskutierten. Als "Werteskala" diente das Gemeindeleitbild, das im rechten Kasten in voller Länge steht:

  • Gott zur Sprache bringen wollen wir – im Gottesdienst und in allen Veranstaltungen der Gemeinde, im gemeinsamen Nachdenken über den Glauben und mit dem, was wir tun.
  • Raum geben wollen wir – uns und anderen: Gemeinsam mit den Mitgliedern der Gemeinde und offen für allen Menschen im Stadtteil suchen wir Wege zu Frieden und Gerechtigkeit.
  • Leben teilen wollen wir – und helfen, wo es nötig und uns möglich ist: den Menschen im Stadtteil und darüber hinaus.


Wir fanden, dass unter den vielen Vorschlägen die biblische Erzählung von der Purpurhändlerin Lydia dem Leitbild sehr genau entspricht.

Sie kennen Lydia nicht? Sie ist für viele eine Unbekannte.

Lydia wird in der Bibel tatsächlich nur einmal erwähnt. Die Apostelgeschichte 16, 9-15 und 40 erzählt von ihr. Lydia lebt in Philippi in Mazedonien. Aus Kleinasien, der heutigen Türkei, war sie nach Europa eingewandert. Sie ist also eine Zugewanderte, wie so viele Menschen in Frankfurt auch. In Philippi gehört Lydia zu den Anhängern des Gottes Israels, ohne zum Judentum konvertiert zu sein. Als Purpurhändlerin zählt sie zu den Wohlhabenden und verfügt über einen eigenen Hausstand mit Dienern und Sklaven.

Wofür steht Lydia für uns?

Lydia hört Paulus vor einer Synagoge zu, als dieser von Jesus Christus erzählt. Sofort will sie sich taufen lassen, "weil Gott ihr das Herz öffnete". Da, wo Gott zur Sprache gebracht wird, ist sie offen für Gottes Wort und wird die erste Christin in Europa überhaupt. Schon allein deshalb hat sie eine große Bedeutung für das europäische Christentum.

Für unsere Gemeinde hoffen und beten wir, dass Gottes Geist uns berührt und offen macht für Gottes Wort – so wie es bei Lydia geschehen ist.

Uns gefällt, dass es eine Frau ist, die als erste in Europa Christus nachfolgt. Uns gefällt auch, dass Lydia darüber hinaus in der Gemeinde in Philippi eine zentrale Rolle übernimmt: Lydia ist fortan eine Frau mit einem offenen Haus, in dem in der Gemeinschaft mit Jesus Christus alle eingeladen sind. Sie beherbergt die Gruppe von christlichen Missionaren rund um Paulus und wird dauerhaft Gastgeberin der entstehenden christlichen Gemeinde – wahrscheinlich sogar deren Leiterin. Ihr Haus ist das Gemeinde-Haus. Lydia ist bereit, Raum zu geben – im wortwörtlichen Sinn. Sie lebt ein offenes Haus.

Das wollen wir auch tun in unserer Gemeinde, auch wenn wir wissen, dass echte Gastfreundschaft manchmal schwer fällt und eine große Herausforderung ist.

Lydia bleibt in Philippi der Mittelpunkt der Gemeinde. In ihrem Haus können Paulus und sein Begleiter Silas einen Unterschlupf finden, als sie auf wundersame Weise aus dem örtlichen Gefängnis freikommen. Lydia teilt ihr Leben mit der neuen Gemeinde. Wo sie helfen kann, tut sie es.

Für unsere Gemeinde hoffen und beten wir, dass auch wir den Mut und die Kraft haben zu helfen, wo es nötig ist. Dabei können und sollen alle ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten einbringen, so wie es Lydia getan hat.

lydiagemeinde.ekhn.de

Ansprechpartner: Wolf-Gunter BrügmannFriedeborn, Am Ebelfeld 268, 60488 Frankfurt am Main, 069-762739, wgbruegmann@uni-bremen.de